Im Ernstfall führt der Weg durch das Fenster

Aach-Linzer Feuerwehr probt bei der Schule – Zufahrt bereitet Probleme

  Pfullendorf / stt Das Szenario ist schrecklich: Hinter den Fensterscheiben des Montessori-Kinderhauses in Aach-Linz stehen verschreckte Kinder, aus der Eingangshalle quillt dicker Rauch, der sich im ganzen Haus verbreitet. Irgendwo im Haus ist Feuer aus
Pfullendorf / stt Das Szenario ist schrecklich: Hinter den Fensterscheiben des Montessori-Kinderhauses in Aach-Linz stehen verschreckte Kinder, aus der Eingangshalle quillt dicker Rauch, der sich im ganzen Haus verbreitet. Irgendwo im Haus ist Feuer aus

Pfullendorf / stt Das Szenario ist schrecklich: Hinter den Fensterscheiben des Montessori-Kinderhauses in Aach-Linz stehen verschreckte Kinder, aus der Eingangshalle quillt dicker Rauch, der sich im ganzen Haus verbreitet. Irgendwo im Haus ist Feuer ausgebrochen, 91 Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter sind in Gefahr.

Schulleiterin Irene Schmid, die ihr Klassenzimmer im Erdgeschoss hat, hat den Rauch bemerkt und sofort die Feuerwehr verständigt. Kurz darauf hört man die Sirenen, die die Leitstelle Oberschwaben gleichzeitig mit dem Alarm der Feuerwehrleute ausgelöst hat. Jürgen Nufer, der stellvertretende Feuerwehrkommandant, hat seinen Arbeitsplatz in Aach-Linz und ist wenig später zur Stelle. Er übernimmt die Einsatzleitung. Fast gleichzeitig treffen die ersten besorgten Eltern ein. Von Ferne hört man das Martinshorn, ein paar Feuerwehrleute kommen zu Fuß angerannt. Dann die erste Panne. Das Tor zum Schulgelände ist so eng, dass das Löschfahrzeug kaum durchpasst. Der Qualm im Schulhaus wird stärker. Acht Minuten sind seit der Alarmierung vergangen, bis die ersten Atemschutzträger ins Haus gehen. Die Rettung der Kinder hat oberste Priorität. Feuerwehrleute heben sie aus den Fenstern im Erdgeschoss, zum oberen Stockwerk wird eine Leiter aufgestellt. Mut gehört dazu, aus dem Fenster zu steigen und sich den Armen des Feuerwehrmanns anzuvertrauen. Manches Kind zögert, aber Michael Kocot, der oben auf der Leiter steht, schafft es trotz Aufregung und Hektik, die Kinder mit freundlichen Worten zu beruhigen. Eines nach dem anderen klettert heraus, wird nach unten und dann zum Sammelplatz gebracht, wo Irene Schmid nachzählt. Vier Kinder werden vermisst, sie waren, als das Feuer ausbrach, im Schulhaus unterwegs, die Atemschutzträger intensivieren ihre Suche, gehen in alle Räume, werden fündig. 27 Minuten hat es seit der Alarmierung gedauert, bis alle Kinder und Lehrkräfte samt Schulhund Lilli in Sicherheit sind. Erleichterte Eltern schließen ihre Kleinen in die Arme. Parallel laufen die Löscharbeiten. Es stellt sich heraus, dass sich der Brandherd in der Küche befindet. Druckentlüfter ziehen den Qualm aus dem Haus. Nach einer halben Stunde ist alles vorbei. Die Schläuche werden eingerollt, die Werkzeuge im Fahrzeug verstaut, ein schnelles Umziehen, dann geht’s zur Nachbesprechung ins Feuerwehrhaus. Eine Übung nur, die mit einem kameradschaftlichen Essen endet. Und alle Kinder waren an diesem Samstagnachmittag auch nicht da.

„Keine Erfindung von mir“, sagt Kommandant Josef Roth, der die Übung für die Zuschauer erläuterte. Es sei vor einiger Zeit tatsächlich passiert, dass eine Herdplatte in der Küche einen Kurzschluss hatte. Die Schulleiterin habe damals den Defekt rechtzeitig bemerkt und Schlimmeres verhindert. Dann gibt’s Kritik. Zunächst die Einfahrt zum Schulgelände. „Die Rettungszufahrt ist nicht annehmbar, da muss schleunigst etwas gemacht werden“, sagt Roth. Nicht nur das schmale Tor gibt Anlass zur Beschwerde, sondern auch der Untergrund, denn das Feuerwehrfahrzeug versinkt beim anhaltenden Regen an diesem Tag und dem vielen Löschwasser im Schlamm und kommt nicht mehr aus eigener Kraft weg. Zaun und Tor mit dem schweren Fahrzeug im Ernstfall einfach zu überrollen, kommt für Roth nicht in Frage: „Dann hat das Auto womöglich einen Defekt, bleibt liegen und steht den anderen Rettungsfahrzeugen im Weg herum.“ Ein weiterer Kritikpunkt gilt den Sammelplätzen der Kinder. Zwei sind es derzeit, einer hinter dem Haus und einer unterhalb des Schulhofs. „Legen Sie die zusammen, am besten bei der Schlossgarten-Halle, Sie haben sonst keinen Überblick, welche Kinder in Sicherheit sind, welche noch fehlen und welche womöglich schon von den Eltern abgeholt wurden“, empfiehlt Roth der Schulleiterin, „wir können sonst nie sicher sein, ob nicht doch noch Kinder im Haus sind.“ Und: „Wir können ganz anders arbeiten, wenn die Eltern an einem Platz zusammen bleiben.“

Roth informiert, dass im Ernstfall natürlich auch die Stützpunktwehr aus Pfullendorf alarmiert würde und die Rettungs- und Löscharbeiten parallel und wesentlich zügiger vonstatten gingen. Weiterhin bittet er um eine bessere Lösung für die Schlüssel, die derzeit im Rektorat aufbewahrt werden: „Unter den vielen Schlüsseln finden wir nie heraus, welche für die Fenster, für die Türen und für die Ausgänge sind.“ Am liebsten ist es ihm, wenn die Feuerwehr einen eigenen Satz Schlüssel erhält.

„Einwandfrei“, kommentiert Dieter Müller, Gesamtkommandant der Pfullendorfer Abteilungswehren, den Verlauf der Übung. Auch Ortsvorsteher Emil Gabele ist voll des Lobes: Danke, dass das so super geklappt hat.“ Er verspricht, „das mit dem Tor und der Zufahrt zu regeln“ und spendiert den 31 Aach-Linzer Feuerwehrleuten „zwei Runden aus der Kasse der Ortsverwaltung“.

Anthia Schmitt für die Schwäbische Zeitung; erschienen: 01.10.2012 20:10)

 

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